Wir üben Kata

Im September waren im Dojo des Budo-Zentrums der Sportvereinigung Polizei rund siebzig Interessierte auf dem Bundesoffenen Hamburger Kata-Seminar, um den Ausführungen von Klaus Hanelt zu folgen. Als zweite Referentin wurde Astrid Machulik aus Berlin eingeladen.

Das Seminar wurde von der Katabeauftragten des HJV Sigrid Happ organisiert und wir vom HTB folgten natürlich gerne ihrem Aufruf zum Kommen.

 

 

 

Am Sonnabend wurden die Techniken der Nage Waza ura no Kata (die Gonosen no kata von K.Mifune) gezeigt und erlernt. Diese Form der Kaeshi Waza (Gegentechniken) liegt uns besonders am Herzen. Die wird in Drei-Schritt-Rhythmus in Form von Tsugi ashi ausgeführt, damit ähnelt sie der Nage no Kata und umfasst u.a. auch Gegenwürfe zu den ersten drei Gruppen dieser Kata. Das Erlernen der Prinzipien von Contratechniken kann (lt. Neuen PO) ebenfalls mit der Kata nach Mikonosuke Kawaishi und/oder der nach Tokio Hirano erfolgen. Laut der neuen Prüfungsordnung des DJB ist die Gonosen no Kata von K.Mifune für den 3. Dan standardmäßig vorgesehen. Sechs 2. Dan Träger unserer Abteilung sind die potenziellen Kandidaten zum Erwerben des Dritten.

Drei von uns machten beim Seminar eifrig mit. Das fachkundig geführte Aufwärmen mit einigen Koordinationsübungen brachte alle auf touren. Nach einer kurzen theoretischen Einführung ging es mit den ersten Techniken los. Hauptteil der Demonstrationen übernahmen Sigrid Happ und Helena Kiesiläinen-Behnke. Diese Ausführung konnten wir schon bei dem letzten Kata Training bei ETV genießen.



„Um eine Technik zu beherrschen, braucht man zunächst die richtige Einstellung: eine sorgfältige, bescheidene, freie und aufmerksame geistige Haltung, mit der man sich eine Technik aneignet.
Mit anderen Worten: ein Judoka muss sein Äußerstes geben und nichts weniger!“*

Kyuzo Mifune**



Das Wort Kata*** heißt übersetzt u.a. "Form". Beim Judotraining wird so unter anderem das Üben von einzelnen Techniken mit Partner bezeichnet. Bei Seminaren und Lehrgängen werden die festgelegten Abfolgen von Techniken gelernt, die dem Vermitteln bestimmter Prinzipien dienen.

Noch vor einigen Jahren war das Lernen der Kata Sache derer, die sich auf die Prüfung zu einem Dan-Grad vorbereiten. Derzeit müssen auch Judoka, die den grünen, blauen oder den braunen Gürtel erreichen wollen, jeweils eine Gruppe aus der Nage no kata (die Form des Werfens) demonstrieren. Mit dieser Prüfungsanforderung betont der Deutsche Judo-Bund den Wert des Katalernens auch außerhalb der Schwarzgurt-Ebene.



Die gelernten Techniken sind in drei Gruppen eingeteilt.

1. Te-waza


Bei dieser Wurfgruppe werden Würfe gekontert, bei denen Partner mit Hilfe der Hand (Te) zu Fall gebracht wird.
Tai-otoshi gegen Uki-otoshi
Yoko-guruma gegen Seoi-nage
Sumi-gaeshi gegen Kata-guruma
Ko-tsuri-goshi gegen Tai-otoshi
O-guruma gegen Obi-otoshi


2. Ashi-waza


Bei dieser Wurfgruppe werden Würfe gekontert bei deren der Partner mit Hilfe des Beines geworfen wird.
Tsubame-gaeshi gegen Okuri-ashi-barai
Hiza-guruma gegen Ko-uchi-gari
O-uchi-gari-gaeshi gegen O-uchi-gari
Sumi-otoshi gegen Sasae-tsurikomi-ashi
Tai-otoshi gegen Uchi-mata


3. Koshi waza


Bei dieser Gruppe werden Würfe gekontert die mit Hilfe der Hüfte ausgeführt werden.
Kari-gaeshi gegen Hane-goshi
Ushiro-goshi gegen Harai-goshi
Utsuri-goshi gegen Han-goshi
Yoko-wakare gegen Uki-goshi
Ippon-seoi-nage gegen O-goshi


Quelle: Deutsche Judo-Bund „Begleitmaterial zum Dan-Prüfungsprogramm“

Unter diesem Link findet man das Video, wo der Meister Mifune seine Kata selbst demonstriert.

 



Für das Ausführen der Kontertechniken sind die Aktionen von Uke verstärkt gefordert. Auf sein Verhalten wurde im Seminar aufmerksam eingegangen. Uke muss aktiv mitarbeiten und richtig agieren. Die Techniken sollen dabei in einem komplexen Zusammenhang passieren.
Bei dieser Dan-Träger-Versammlung gab es genug Zeit für Feinheiten, auf die es bei dem Ablauf einzelnen Techniken ankommt. Spontan bildeten sich kleine Diskussionsgruppen. Es lief nach dem Motto: „Analysiere, probiere, kritisiere, verwerfe, ändere oder verbessere“. Seiner anführenden Funktion gemäß zeigte Klaus Hanelt den Weg und die Richtung von Verbesserungen. Insbesondere Judokas mit Aykido Kenntnissen betonten den Nutzwert der Inertionskraft und eine dadurch mit Minimum an Krafteinsatz gebundene Technikausführung. Dies wäre dann ein praktisches Beispiel aus der Judolehre für das Prinzip „intelligent faul sein“.

Das Seminar war sehr aufschlussreich. Mit ehrlich verdienten Muskelkater und der erweckten Wahrnehmung recherchierten manche an den folgenden Feierabenden über den Ursprung der gelernten Methoden nach. Für unser wöchentliches Techniktraining haben wir eine Menge Tipps und Anregungen mitgenommen.



* Übersetzt aus: http//judoinfo.com/mifune.htm
**Kyuzo Mifune (21.4.1883 - 27.1.1965, 10 Dan) gilt als der beste Techniker im Judo, den es je gegeben hat.
***Kata-Erläuterung ist gebräuchlichst verfasst und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit!